Tanja Trautmann arbeitet an einem Sportwagen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Philipp Schulze/dpa)

Oldtimer-Schrauberin Tanja Trautmann hat erlauchte Kunden

Ein Kompressor-Tattoo im Dekolleté, eine Tüv-Plakette mit eigenem Geburtsdatum und ein Vergaser auf den Armen – die Liebe zu alten Autos trägt Tanja Trautmann auf der Haut. Nach dem Preis fragen ihre Kunden eigentlich nie.

Wenn sie ihre Luxusschlitten in die kleine Werkstatt nach Egestorf im Landkreis Harburg bringen, haben sie oft schon einiges ausprobiert. «Ich habe tolle Kunden und ganz selten Reklamationen», erzählt die Kfz-Meisterin mit Spezialgebiet Oldtimer und Supersportwagen. In der Branche ist die Frau mit den Dreadlocks und den kleinen schwarzen Schrauben im Ohrläppchen bekannt.

An der Werkstattwand hängt eine weiße Motorhaube mit Unterschriften von Ex-Fußball-Nationalspieler Mesut Özil, den ehemaligen HSV-Spielern Dennis Diekmeier und Nigel de Jong. «Nigel war mit seiner Firma zehn Jahre mein Chef in Hamburg», erzählt Trautmann, die sich in zehn Jahren als Werkstattleiterin einen Namen machte und die Promis der Fußball-Branche kennenlernte. Ein Tagesflug für die Reparatur der Lieblingsschlitten von Özil nach London, ein Trip zu Kevin-Prince Boateng nach Sardinien – Trautmann hat einiges erlebt und gilt als verschwiegen.

Die Hamburgerin bekam im vergangenen Jahr ein Angebot einer Autofirma aus der Hansestadt, sie nach de Jongs Firmenauflösung bei der Gründung einer eigenen Werkstatt zu unterstützen. «Ich war 53 und wollte das erst gar nicht», erzählt sie lachend. Das Angebot war aber zu verlockend – sie konnte sich den Ort sogar aussuchen. Die weiten Fahrten nach Hamburg wollte sie nicht mehr, weil ihre neue Heimat in einem kleinen Örtchen bei Bad Bodenteich im Landkreis Uelzen liegt. Ein Hof von 1749 mit Katzen, Dutzenden Hühnern und – natürlich Oldtimern in den Schuppen.

Der Stundenlohn liegt bei 165 Euro

Nun kann sie sich vor Anfragen kaum retten, die Auto-Liebhaber kommen mit ihren Maserati, Lamborghini und Porsche aus Hannover, Berlin und Hamburg in den kleinen Ort Egestorf an der A7. Trautmann machte sich im Februar 2020 selbstständig, nach anfänglicher Unsicherheit wegen Corona läuft der Laden. Der Stundenlohn liegt bei 165 Euro, die Kfz-Meisterin führt die hohen Versicherungsprämien für die teuren Schmuckstücke mit bis zu 650 PS an, sie sind für Probefahrten alle Vollkasko versichert.

Einen Kostenvoranschlag für einen Oldtimer zu bekommen, sei fast unmöglich, bestätigt Stephan Richter, Pressesprecher des PS.Speicher-Museums in Einbeck im Landkreis Northeim.«Diese Fahrzeuge sind nie dafür konzipiert worden, so alt zu werden. Je hochwertiger, desto aufwendiger wird es», sagt Richter. Um ein Ersatzteil zu beschaffen, brauche es manches Mal vier Wochen. Diejenigen aus der Oldtimer-Szene, die ein Auto im sechsstelligen Bereich fahren, seien finanziell gut aufgestellt. Besonders schwierig sei es, Fachkräfte für die Restaurierung zu bekommen.

Sobald klar ist, dass es etwas teurer wird, ruft Trautmann bei den Auftraggebern an und informiert sie. Und wenn sie bei den älteren Ferrari mal einen Tipp braucht, holt sie sich Hilfe bei einem Kollegen. «Die Konkurrenz unter Oldtimer-Schraubern ist nicht so fies.»

Am meisten Spaß mache es, kreativ an den 70 bis 80 Jahre alten Schlitten zu arbeiten, wenn Ersatzteile nicht einfach online zu bestellen sind. Bereut hat sie die Selbstständigkeit «keine Sekunde», auch wenn sie frühmorgens aufbrechen muss und meist erst spät nach Hause kommt. Manches Mal lehnt sie eine Reparatur wegen der starken Nachfrage ab, einige Hartnäckige warten einfach. Seit Mai hilft ihr ein Geselle, im August kam ein Auszubildender dazu. An Urlaub ist noch nicht zu denken.

Von Britta Körber (Text) und Philipp Schulze (Foto), dpa

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