Gleich wieder mittendrin statt nur dabei: Zlatan Ibrahimovic bei Schwedens Sieg gegen Georgien. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Pontus Lundahl/TT NEWS AGENCY/AP/dpa)

«Carl XVII Guztaf»: Ibrahimovic krönt sich zum König

Da fühlte sich der selbst ernannte Gott plötzlich ganz irdisch. Von «Kribbeln im Bauch» und «Gänsehaut» sprach Zlatan Ibrahimovic nach seinem Comeback für Schweden.

Wer sich kurz sorgte, der Fußball-Superstar würde plötzlich so etwas wie Bodenhaftung haben, konnte sogleich erleichtert durchatmen. In seiner ihm eigenen Bescheidenheit krönte er sich kurzerhand zum neuen König von Schweden, veröffentlichte in den sozialen Medien ein Foto mit der Zeile «Carl XVII Guztaf» – das Z steht natürlich für Zlatan.

«Es gibt einen alten König und einen neuen König», sagte Ibrahimovic über das Foto, das auf den tatsächlichen König Carl XVI Gustaf anspielte. Die schwedischen Medien beteiligten sich an der Zlatan-Show und fragten den 39-Jährigen, ob er tatsächlich anstrebe, irgendwann auf den Thron zu steigen. Es konnte nur eine Antwort geben: «Den habe ich doch schon vor 20 Jahren bestiegen.»

Die Stimmung war gelöst. Schweden hatte Georgien durch ein Tor von Viktor Claesson – mit königlicher Genehmigung, denn die Vorlage kam von Ibrahimovic – 1:0 (1:0) besiegt. Und zeitgleich musste sich das als härtester Gruppengegner eingestufte Spanien mit einem 1:1 gegen Griechenland begnügen. Ein runder Abend. Nur der Chef meckerte etwas. «Wir haben uns viel zu wenig bewegt. Wir sind ganz bestimmt nicht glücklich», sagte Nationaltrainer Janne Andersson.

Doch taktische Abläufe oder Laufwege waren eben nicht das Hauptthema des Abends. Das war Zlatan. Sein Comeback bei den «Tre Kronor» nach fünf Jahren hatte der Ausnahmestürmer als «Die Rückkehr von Gott» angekündigt. Und siehe da: Gott sang. Vor seinem 117. Länderspiel sang Ibrahimovic erstmals die Nationalhymne mit. «Ich hatte es Janne versprochen», sagte Ibrahimovic. Er habe die Hymne erst lernen müssen, berichtete er, aber es habe Spaß gemacht. Coach Andersson legt Wert darauf, dass seine Spieler die Hymne mitsingen.

Spaß hatte Ibrahimovic auf dem Platz vor allem im Zusammenspiel mit Torschütze Claesson. Allein die Vorarbeit des Weltstars wäre das Eintrittsgeld wert gewesen – allerdings waren in der Friends Arena in der Stockholmer Gemeinde Solna keine Zuschauer zugelassen, da konnten weder Gott noch König etwas machen. Ohne hinzuschauen bediente Ibrahimovic Claesson mit blindem Verständnis in der 35. Minute. Der Angreifer des FK Krasnodar musste den Ball nur noch am Torwart vorbeischießen.

«Wir haben zehn Sekunden vor dem Tor gesprochen. Ich sagte zu ihm, dass ich in seiner Nähe bin, wenn er den Ball bekommt», berichtete Claesson und war ob der Antwort wohl etwas baff: «Er sagte nur: „Ich sehe dich, ich weiß, wo du bist. Mach dir keine Sorgen:“ Zehn Sekunden später kriege ich den Ball. Es ist leicht, mit ihm zu spielen.»

Und es soll noch leichter werden. Vor allem das Zusammenspiel von Ibrahimovic mit Schwedens großer Sturm-Hoffnung Alexander Isak, der stattliche 18 Jahre jünger ist. Bei dem Duo lief gegen Georgien nicht alles rund. «Wir haben nur zwei oder drei Tage zusammengearbeitet. Alles ging so schnell», befand Ibrahimovic, und Andersson betonte: «Dieses Duo kann in der Zukunft viele gute Dinge schaffen.» Es sieht nicht nach einer baldigen Abdankung von König Zlatan aus.

Von Tom Bachmann und Maximilian Haupt, dpa

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